Juni 1

Die Wurzeln der Maltherapie

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1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich in der Kunst-, Mal- sowie der Mal- und Gestaltungstherapie viele verschiedene Strömungen, deren Einordnung mitunter Schwierigkeiten bereitet (wie z.B. Maltherapie, Integrative Maltherapie, Kunst- und Gestaltungstherapie, lösungsorientierte Maltherapie…). In diesem Beitrag des ersten Teils der Artikelserie „Wurzeln der Mal- und Gestaltungstherapie“ stellen wir einen Stammbaum der Mal- und Gestaltungstherapie vor, der sich auf das Fundament und die wesentlichen Wegbereiterinnen der Mal- und Gestaltungstherapie im 20. Jahrhundert konzentriert:

  • Jolande Jacobi
  • Margaret Naumburg
  • Elisabeth Tomalin
  • Susan Bach
  • Ingrid Riedel

Diese Auswahl erfolgte nach folgenden Kriterien:

  • Ausbildung in oder starke Verbindung zur analytischen Psychologie
  • Einsatz von kreativen Methoden im Sinne C. G. Jungs
  • Weiterentwicklung der Methode durch praktische Anwendung und theoretische Aufarbeitung
  • Verbreitung des Ansatzes durch Vortragstätigkeiten, Lehraufträge, Engagement in psychoanalytischen Gesellschaften

Auch wenn sie selbst ihre Ansätze als Gestaltungstherapie, Kunsttherapie, Art Therapy oder Kunst- und Gestaltungstherapie benennen, so erachten wir diese Frauen als die wesentlichen Wegbereiterinnen (siehe Abbildung 1) unserer Methode der Mal- und Gestaltungstherapie.

Im zweiten Teil dieser Artikelserie werden wir uns auf neuere Entwicklungen der Mal- und Gestaltungstherapie konzentrieren und die Entwicklungen der „Next Generation“ wie Eva Brenner, Gisela Schmeer und Gregg M. Furth vorstellen.

2. Stammbaum der Mal- und Gestaltungstherapie

Stammbaum

In dieser Übersicht (Abbildung 1) sind die Ursprünge, das Fundament der Tiefenpsychologie und die wesentlichen Wegbereiter*innen der Mal- und Gestaltungstherapie im 19. und 20. Jahrhundert ersichtlich.

Im Folgenden beschreiben wir die Ursprünge von der Antike bis zur Neuzeit, was Kunst und Therapie betrifft. Kurz soll auch auf  Sigmund Freud, den Begründer der Tiefenpsychologie, eingegangen werden. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf C. G. Jung und den Wegbereiterinnen (Jacobi, Naumburg, Tomalin, Riedel) der Mal- und Gestaltungstherapie.

2.1. Von den Ursprüngen in der Antike bis zur Neuzeit

Die Ursprünge von Kunst und Therapie liegen im Dunkeln. Sicher ist, dass die Anfänge im Kult wurzeln. Der Schamane war Priester, Arzt und Künstler in einem, dessen frühe Formen der Gestaltung Gesang, Tanz, Spiel und Malerei waren. Singend, tanzend, Flöte spielend, heilte er und seine Helfer. So wurde die gestörte Ordnung der Natur wiederhergestellt. An dem Mitwirken an der Therapie, die immer ein Ganzes, Umfassendes, den Körper und die Seele umfasst hat, blieb der Patient ausgeschlossen. Das Weltbild des Homo sapiens war magisch animistisch, in der archaischen Medizin waren Kunst und Therapie ident.[1] Der deutsche Kunsttherapeut Menzen schildert: „Bis ins hohe Mittelalter gilt eine ähnlich allumfassende, typisierte Geordnetheit: Verhalten wird vorbildhaft-inszeniert geregelt; wird gleichermaßen als inszeniertes archaisch ausgewiesen und göttlich tradiert legitimiert.“[2]

Bereits in der Antike befasste man sich mit Farben: Einerseits zur Einordnung in eine universelle Weltordnung (die Philosophen Pythagoras, Platon, Sokrates unterteilten die Farben, vermutlich nach einer urtypischen Unterteilung, wie z.B. VIER Elemente, Jahreszeiten, Himmelsrichtungen…)[3], andererseits experimentierte man auch mit Farben in der Heilkunde (Kranke wurden mit farbigen Pasten bestrichen oder in farbige Tücher eingewickelt)[4]

Im Mittelalter entwickelte Leonard Da Vinci ein praktikables System für die Farbmischung. Im 17./18. Jahrhundert beschäftigten sich die Naturwissenschaften mit Farben und Farbtheorien. Der Physiker Isaak Newton wies bereits 1676 sowohl experimentell als auch theoretisch die Zerlegung des „weißen“ Lichts in sieben unterschiedliche Farben des Spektrums nach.[5]

Ende des 18. Jahrhunderts beschäftigte sich Johann Wolfgang von Goethe intensiv mit der Farbenlehre und veröffentlichte als Ergebnis im Jahre 1810 sein Buch „Zur Farbenlehre“. Ein Teil Goethes Farbenlehre ist dabei der psychologische Charakter, den der Schriftsteller den verschiedenen Farben zuspricht.[6]

2.2.  Wende 18./19. Jahrhundert – psychiatrische und heilpädagogische Ansätze

An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert begannen neuzeitliche Therapien, bei denen ein Grundgedanke die Aktivierung psychisch Erkrankter war. Der Fokus lag auf der Arbeits- und Beschäftigungstherapie.
Es war eine Zeit, in der es einen allmählichen Übergang zu Therapieformen gab, an denen der Patient selbst aktiv teilnahm und aufgrund erzieherischer Motive auch teilnehmen sollte. [7]

Künstlerisch-bildnerische Therapieformen siedelten sich zwischen Arbeits- und Beschäftigungstherapie an und orientierten sich an den unterschiedlichen Patienten- und Stände-Gruppen. Beim gemeinen Volk waren diese handwerklich, bei Privatpatienten künstlerisch. Arbeiter und Handwerker, die psychisch schwer erkrankten, wurden auf das Feld beordert und handwerklich beschäftigt. Angehörige der oberen Stände diskutierten in eigens hergerichteten Salons, und der Mittelstand zeichnete und malte in den neuen Ateliers.[8] Dort herrschte hauptsächlich psychopathologisches Interesse vor und es zu kam kaum zu therapeutischen Bemühungen. Das Interesse richtete sich hauptsächlich aufs „Produkt“ und nicht auf den therapeutischen Prozess.[9]

2.3.  Sigmund Freud (1856–1939) – Tiefenpsychologie

In der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert suchte man nach neuen Therapiemöglichkeiten und befasste sich zunehmend mit dem Unbewussten. Das „Unbewusste“ ist untrennbar mit Sigmund Freud verknüpft – die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie erfährt durch ihn ihren Durchbruch. Philosophen, Schriftsteller und Ärzte hatten das Fundament dafür in den Jahrhunderten davor geschaffen. Freud schuf mit dem Buch „DieTraumdeutung“ (1900) die Grundlagen der Psychoanalyse und aller tiefenpsychologisch fundierten Therapien.[10]

2.4.  C. G. Jung (1875–1961) – das Fundament

Carl Gustav Jung und Freud experimentierten und forschten über die freie Assoziation, um eine Brücke zwischen Bewusstsein und Unbewusstem zu schaffen. Damit kommen unverträgliche und verdrängte Inhalte an die Oberfläche und können so heilen.[11] C. G. Jung entwickelte die aktive Imagination, um unbewusste Inhalte bewusstseinsfähig und damit wirksam werden zu lassen. Mit Zeichnen, Malen, Modellieren und dem Tanz wird ein dialektischer Prozess zwischen dem Ich und dem Unbewussten in Gang gebracht.

Im Gegensatz zu Freud ging es Jung nicht um die Bearbeitung noch nicht oder nicht genügend verarbeiteter Erlebnisreste, sondern um das „Bewusstseinsfähigmachen“ von Inhalten, die noch nie im Bewusstsein waren. An der psychoanalytischen Traumdeutung bemängelte Jung die Abhängigkeit des Patienten, der auf die Deutung des Analytikers angewiesen sei und ihn in einen Kindheitszustand regredieren lasse. Jung will Patienten aktivieren und selbst ermächtigen, ohne darauf angewiesen zu sein, dass vielleicht einer der nächsten Träume den gewünschten Aufschluss bringen werde. 1912 kam es zum Bruch mit Freud, und C. G. Jung entwickelte seine eigene analytische Psychologie.

Die Bewusstmachung unbewusster Inhalte ist ein konkretes Ziel und auch Inhalt des Individuationsprozesses. Das Gestaltenlassen hat dabei eine große Bedeutung; der Patient spricht nicht nur von etwas, er tut es auch. C. G. Jung malte auch selbst, um mit den inneren Bildern in Kontakt zu treten, einen inneren Dialog zu führen und die Bilder sprechen zu lassen.[12] 1913 startete er auch sein „Experiment“ mit sich selbst, in dem er Illustrationen und ergänzende Reflexionen, die er zuvor in das schwarze Buch geschrieben hatte, in ein rot gebundenes Buch kalligraphierte und malte. Das war die Entwicklung der aktiven Imagination, um den inneren Vorgängen auf den Grund zu gehen. Das rote Buch (Abbildung 2: Das rote Buch) führte er bis 1930 weiter, veröffentlicht wurde es zu seinen Lebzeiten jedoch nicht.

Seine Erfahrungen über die aktive Imagination flossen zwar in seine Bücher ein, er erzählte sie aber nur ihm vertrauten Personen und ließ darüber hinaus  wenig darüber verlautbaren[13]. Jung verwehrte sich immer dagegen, dass seine Bilder als „Kunst“ bezeichnet wurden. Im Bildband „C. G. Jung – Bilder des Unbewussten“ (Abbildung 3: Bilder des Unbewussten) werden Bilder, Zeichnungen und Skulpturen gezeigt, die von großer künstlerischer Schaffenskraft und einem beeindruckenden Gespür für Form und Farbe zeugen.[14]

2.5.  Jolande Jacobi (1890–1973)

Jolande Jacobi, geboren in Budapest, emigrierte 1919 mit ihrem Mann nach Wien. Sie lernte C. G. Jung in ihrer Funktion als Vizepräsidentin des österreichischen Kulturbundes kennen, wo sie zahlreiche Kontakte zu Künstlern und Wissenschaftlern knüpfte.

1938 promovierte sie in Wien im Fach der Psychologie und floh aufgrund ihrer jüdischen Abstammung in die Schweiz. Jacobi begann dort ihre Analyse bei C. G. Jung, war zuerst Schülerin von C. G. Jung und später seine engste Mitarbeiterin. Sie wurde zur führenden Interpretin der analytischen Psychologie C. G. Jungs. Ihr Buch „Die Psychologie von C. G. Jung – Eine Einführung in das Gesamtwerk“ wurde in 15 Sprachen in vielen Auflagen herausgegeben.[15] Durch das Geleitwort von C. G. Jung gilt das Werk als besonders autorisiert.

Das C. G. Jung Institut in Zürich, das sie führte und wo sie auch lehrte, wurde von ihr mitbegründet. Sie unterrichtete an Universitäten in der Schweiz, England, anderen europäischen Ländern sowie den U.S.A. Sie forschte an der Zürichberg Klinik und spezialisierte sich auf Kunsttherapie. Sie praktizierte in ihrer analytischen Praxis auf Deutsch, Ungarisch und Englisch.[16]

Jolande Jacobi war der analytischen Psychologie und C. G. Jung sehr verbunden, widmete sich seinem Werk und dessen Verbreitung.

2.6. Margaret Naumburg (1890–1983) – die erste große Theoretikerin der Kunsttherapie

Margaret Naumburg war eine amerikanische Psychologin, Pädagogin, Künstlerin, Autorin und eine der ersten großen Theoretikerinnen der Kunsttherapie. 1914 gründete sie Walden, eine nach psychoanalytischen und Montessori-Grundsätzen organisierte Schule. Sie unterzog sich in Amerika als eine der ersten einer Psychoanalyse und arbeitete sowohl mit jungianischen als auch mit freudianischen

Analytikern. Sie war begeistert von den spontanen künstlerischen Äußerungen ihrer Schüler und bevorzugte die Methode der Kritzeleien. Dieser projektive Ansatz schien ihr geeignet, um unbewusste Inhalte in das Bewusstsein zu holen. Der Prozess, das entstandene Werk und das Gespräch darüber halfen dem Patienten seine Selbsterkenntnis und Konfliktbearbeitung zu erhöhen.

Nach ihrem Weggang von Walden arbeitete sie am New York State Psychatric Institute, wo sie die dynamisch orientierte Kunsttherapie weiterentwickelte. Sie verfasste zahlreiche Veröffentlichen über ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen.[17] Ihre Ausbildung und praktische Erfahrung haben dazu beigetragen, dass sie sich eine eklektische Haltung aneignete und Jung’sche sowie Freud’sche Zugänge zu einer Synthese vereinigte. Sie selbst sagte, dass sie in erster Linie Freud, Jung und Harry Sullivan verpflichtet sei.

2.7. Elisabeth Tomalin (1912–2012) – sie brachte die Kunsttherapie vom angelsächsischen Raum nach Europa

Elisabeth Tomalin wurde in Deutschland geboren und war ausgebildete Textil-, Schaufenster- und Plakatgestalterin. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung emigrierte sie 1936 nach London, wo sie unterrichtete und als Textildesignerin arbeitete. Mit 62 Jahren erfüllte sie sich einen großen Wunsch, indem sie ihr Interesse an Kunst und Psychotherapie vereinte und eine Ausbildung als Kunsttherapeutin in New York absolvierte.

In den 1970er-Jahren wurde sie immer wieder von deutschen Institutionen gefragt, ob sie in Deutschland unterrichten und Vorträge halten möge. Für sie war das eine Herausforderung, da fast ihre ganze Familie von den Nazis ermordet wurde. Die künstlerische Grundausbildung ermöglichte ihr in Verbindung mit einer jungianischen Analyse als Gestaltungstherapeutin in Deutschland in einer Klinik zu arbeiten. Auf der ersten Eranos Tagung[18] in Ascona lernte sie C. G. Jung persönlich kennen, eine Begegnung, die sie nachhaltig beeindruckte und ihre Arbeit beeinflusste. Sie hielt unzählige Seminare und Vorträge bis in das hohe Alter von 94 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab.[19]

Elisabeth Tomalin brachte die Kunst- und Gestaltungstherapie vom angelsächsischen Raum nach Europa. Kaum jemand hat die Entwicklung dieser Disziplin ab den 1950er-Jahren im deutschsprachigen Raum so geprägt wie sie – in einer Zeit, in der diese Disziplin in Deutschland noch fast gänzlich unbekannt war.

Gertraud Schottenloher schreibt in ihrem Nachruf über Elisabeth Tomalin: „Viele Kunst- und Gestaltungstherapeuten haben im Lauf der Jahre von Elisabeth Tomalin gelernt, sich Anregung, Unterstützung, Ermutigung geholt. Doch sie selbst blieb bescheiden im Hintergrund, während sie mit ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit und ihren Einsichten die Menschen inspirierte und zu höheren Visionen anregte. Sie sah sich als Vermittlerin, als ‚das Papier, auf dem es geschieht….‘ (Zitat eines Mitarbeiters von Elisabeth Tomalin).“[20]

2.8.  Susan Bach (1902–1995)

Auf der Website der Susan Bach-Foundation findet sich eine hervorragende Zusammenfassung des Lebens und Schaffens von Susan Bach: „Susan Bach wurde 1902 in Berlin geboren. Sie studierte Kristallographie und gewann an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin einen Preis. Diese wissenschaftliche Arbeit sowie ihre tiefe Faszination für die den Bildern zugrunde liegenden archetypischen Anordnungen waren die Basis für ihre späteren systematischen Studien von spontanen Bildern und Zeichnungen, besonders denjenigen von schwerkranken Kindern. Hier bezog sich ihre Suche auf sinnstiftende Anordnungen, die sie als Hinweise auf unbewusste Prozesse erkannte.

Susan Bach war bereits in den 1930erJahren mit der Psychoanalyse in Berührung gekommen; nach Jahren in London kam sie schließlich nach Zürich und stand in regem Austausch mit C. G. Jung und Toni Wolff.

Während mehr als 30 Jahren untersuchte sie mit einem Team von Ärzten und Pflegenden im Bildmaterial schwerkranker Patienten des Kinderspitals Zürich Hinweise auf psychosomatische Zusammenhänge. Sie erkannte, dass sich in spontan gemalten Bildern von Kindern mit Leukämie und anderen Krebserkrankungen sehr oft die gesamte Situation eines Individuums abbildet, und dass regelmäßig wertvolle, ahnende Aussagen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Lebensgeschichte darin verborgen sind. Diese Erkenntnisse fasste sie in ihrem Buch Das Leben malt seine eigene Wahrheit. Über die Bedeutung spontaner Malereien schwerkranker Kinder (Daimon-Verlag, Einsiedeln 1995) zusammen. Susan Bach starb 1995 in London.“[21]

2.9. Ingrid Riedel (geb. 1935)

Ingrid Riedel absolvierte das Studium der evangelischen Theologie in Heidelberg, Göttingen und Erlangen und promovierte zum Dr. theol. Darüber hinaus studierte sie Literaturwissenschaften und Sozialpsychologie, wobei sie 1971 promovierte. Ihre Ausbildung in analytischer Psychologie schloss sie am C. G. Jung-Institut in Zürich ab.
Sie ist Honorarprofessorin für Religionspsychologie an der Universität Frankfurt am Main, Psychotherapeutin in eigener Praxis, Dozentin und Lehranalytikerin sowie wissenschaftliche Leiterin der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie.

Neben diesen zahlreichen Tätigkeiten ist sie Autorin zahlreicher Werke, darunter Standardwerke der Jung’schen Maltherapie (Die Symbolik der Farben, Maltherapie). Sie schafft mit ihrer Arbeit ein praktisches und theoretisches Fundament für die Mal- und Gestaltungstherapie in unserem Verständnis:

Beim Malen aus dem Unbewussten geht es um etwas anderes als das Produzieren »schöner« Bilder. Das Ziel der Jung’schen Maltherapie ist, der Seele zu ermöglichen, sich selbst auszudrücken, und durch Malen und Gestalten Selbstheilungsprozesse in Gang zu setzen. Farben und Formen eines gemalten Bildes haben zum einen diagnostische Funktion und können seelische Probleme verdeutlichen. Malen aus dem Unbewussten ist aber vor allem ein therapeutischer Prozess, der mit schöpferischer Selbstgestaltung und Reifung der Persönlichkeit einhergeht.

In ihren zahlreichen Büchern zeigt Ingrid Riedel eindrucksvolle Beispiele aus der Maltherapiepraxis und die dahinterliegende Jung’sche analytische Psychotherapie, die nicht nur für ein Fachpublikum interessant, sondern auch für Interessierte lesbar, inspirierend und gewinnbringend sind. Damit ermöglicht sie eine qualitätsvolle Ausbildung für Mal- und Gestaltungstherapeut*innen und trägt den lebensförderlichen Zugang C. G. Jungs in die Welt hinaus.

2.10.  Zusammenfassung und Ausblick

„Nur, wer seine Wurzeln kennt, kann wachsen“
(Anselm Grün)

Unsere Pionierinnen haben sich mit großer Energie und Engagement für eine eigenständige Methode der Mal- und Gestaltungstherapie eingesetzt. In ihrem meist langen Leben haben sie die Methode praktisch erprobt, darüber geforscht, Vorträge gehalten, gelehrt und so die Methode weiterentwickelt.

In Teil II der „Wurzeln der Mal- und Gestaltungstherapie“ werden wir uns auf die nächste Generation wie Eva Brenner, Gisela Schmeer und Gregg M. Furth konzentrieren. Mit dem MGT Institut und dem Fachverband tragen wir alle einen wesentlichen Beitrag dazu bei, dass sich die Mal- und Gestaltungstherapie weiterentwickelt und das Leben möglichst vieler Menschen positiv beeinflusst.

3.   Literaturverzeichnis

Bücher

Biniek E. M. (1982) Psychotherapie mit gestalterischen Mitteln. Eine Einführung in die Gestaltungstherapie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Darmstadt

Jacobi J (1978) Die Psychologie von C. G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk. Mit einem Geleitwort von C. G. Jung. Fischer, Frankfurt

Jung C. G. (2010) Das rote Buch. Patmos Verlag, Düsseldorf

Menzen K-H (2017) Entwicklungsgeschichte der Kunsttherapie. Verlag Karl Alber, Freiburg/München

Rubin J. A. (1991) „Die psychoanalytische Theorie Sigmund Freuds: Aufdeckung und Einsicht“ in: Richtungen und Ansätze der Kunstherapie. Theorie und Praxis. Judith Aron Rubin (Hsg.), Gerardi Verlag für Kunsttherapie, Karlsruhe

Online-Quellen

http://www.cgjung-werke.org/category/publikationen, Stiftung der Werke von C. G. Jung, abgerufen am 27.03.2021

http://www.eranosfoundation.org/page.php?page=4&pagename=history, abgerufen am 17.03.2021

http://www.farbenlehre.com/grundlagen-der-farbenlehre/lehre-nach-goethe, abgerufen am 09.04.2021

https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9780691213262-010/html, Jolande Jacobi, abgerufen am 5.03.2021

https://kunsttherapie-ikt.de/news/nachruf-auf-elisabeth-tomalin, abgerufen am 17.03.2021

https://lehrerfortbildung-bw.de/st_digital/medienkompetenz/gestaltung-farbe/physik/spektrum/index.html#newton, abgerufen am 09.04.2021

https://www.susanbach-foundation.ch/de/susan-bach/die-stifterin.html#Die-Stifterin, susan bach foundation, abgerufen am 29.03.2021

http://www.thecnj.com/review/2009/102909/feature102909_01.html, CamdenNewJournal, abgerufen am 17.03.2021

https://de.wikipedia.org/wiki/Farbtherapie, abgerufen am 09.04.2021

https://de.wikipedia.org/wiki/Jolande_Jacobi, abgerufen am 08.03.2021

https://en.wikipedia.org/wiki/Margaret_Naumburg, abgerufen am 5.4.2021

4.   Abbildungsverzeichnis

Abbildung 01: Stammbaum der Mal- und Gestaltungstherapie (Quelle: Manuela Sattlegger, 2021)

Abbildung 02: C. G. Jung. Das rote Buch (Quelle: Patmos Verlag, https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/das-rote-buch-010467.html)

Abbildung 03: C. G. Jung. (Quelle: Patmos Verlag, https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/bilder-des-unbewussten-011226.html)

5.   Anhang – Bibliographien

5.1.  Bibliographie Jolande Jacobi

Als Autorin:

  • Die Psychologie von C. G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk. Rascher, Zürich 1940; 5., ergänzte Auflage ebenda 1967
  • Komplex, Archetypus, Symbol in der Psychologie C. G. Jungs. Rascher, Zürich 1957
  • Der Weg zur Individuation. Rascher, Zürich 1965
  • Frauenprobleme, Eheprobleme. Rascher, Zürich 1968
  • Vom Bilderreich der Seele. Wege und Umwege zu sich selbst. Walter, Olten 1969
  • Die Seelenmaske. Einblicke in die Psychologie des Alltags. Walter, Olten 1971

Als Herausgeberin:

  • Paracelsus: Lebendiges Erbe. Eine Auslese aus seinen sämtlichen Schriften mit 150 zeitgenössischen Illustrationen. Rascher, Zürich 1942
    • Neuausgabe als: Paracelsus, Arzt und Gottsucher an der Zeitenwende. Eine Auswahl aus seinem Werk. Mit einer Einführung von Gerhard Wehr. Walter, Olten 1991
    • Reprintvon 1942. Mit einer Erweiterung von Viktor von Weizsäcker. Reichl, St. Goar 2002
  • Psychologische Betrachtungen. Eine Auswahl aus den Schriften von C .G. Jung. Rascher, Zürich 1945
    • Umgearbeitete Neuausgabe als: Mensch und Seele. Walter, Olten 1971
  • Symbole der Wandlung. Analyse des Vorspiels zu einer Schizophrenie (mit C. G. Jung). Rascher, Zürich 1952 (= umgearbeite Neuauflage von Wandlungen und Symbole der Libido)[22]

5.2.  Margaret Naumburg

  • The child and the world: Dialogues in modern education. (1928). New York: Harcourt, Brace. Digitized October 29, 2007.
  • Studies of the „Free“ Expression of Behavior Problem Children as a Means of Diagnosis and Therapy. Publisher Coolidge Foundation, 1947 – Art – 225 pages
  • Schizophrenic Art: Its Meaning in Psychotherapy (1950)
  • Psychoneurotic Art, Its Function in Psychotherapy: correlation of the patient’s Rorschach and other tests with the patient’s art productions, by Adolpf G. Woltmann. (1953) 
  • Dynamically Oriented Art Therapy: Its Principles and Practice. (1966). New York: Grune & Stratton. Republished 1987, Chicago: Magnolia Street. 
  • An Introduction to Art Therapy: Studies of the „Free“ Art Expression of Behavior Problem Children and Adolescents as Means of Diagnosis and Therapy (Copyright 1950 and 1973 by Margaret Naumburg). Foreword to the first edition by Nolan D. C. Lewis, M.D. New York: Teachers College Press, Columbia University. Library of Congress Catalogue Card Number 73-78074[23]

5.3.  Elisabeth Tomalin

  • mit  Peter Schauwecker: Interaktionelle Kunst- und Gestaltungstherapie in der Gruppe (= Beiträge zur Kunsttherapie. Bd. 4). Claus Richter, Köln 1989

  • als Herausgeberin mit Klaus Lumma: Art Therapy. Gestalten & Lernen. Wege der Kunst- & Gestaltungstherapie (= Humanistische Psychologie. Jg. 22/23, 2, Übergangsjahrbuch). IHP-Bücherdienst, Eschweiler 2001
  • mit Renate Schumacher: Sand-Spiel. Entäußern – Erinnern – Heilendes Spiel. Claus Richter, Köln 1997[24]

5.4.  Susan Bach

Das Leben malt seine eigene Wahrheit. Über die Bedeutung spontaner Malereien schwerkranker Kinder. Daimon-Verlag, Einsiedeln 1995

5.5.  Ingrid Riedel

Als Autorin:

Farben: In Religion, Gesellschaft, Kunst und Psychotherapie. Kreuz, Freiburg 1983

Mit Christa Henzler: Maltherapie. Auf Basis der Analytischen Psychologie C.G. Jungs.  Patmos, Düsseldorf 2016

Formen: Tiefenpsychologische Deutung von Kreis, Kreuz, Dreieck, Quadrat, Spirale und Mandala. Kreuz, Freiburg 2002

Mit Christa Henzler, Malen um zu überleben: Ein kreativer Weg durch die Trauer. Kreuz, Freiburg 2003

Bilder: In Psychotherapie, Kunst und Religion. Ein Schlüssel zur Interpretation. Kreuz, Freiburg 2005

Träume – Wegweiser in neue Lebensphasen. Patmos, Düsseldorf 2018

Die Symbolik der Farben. Patmos, Düsseldorf 2019

Als Herausgeberin:

mit Verena Kast (Hsg.): Malen in der Gruppe: Modelle für die therapeutische Arbeit. Kreuz, Freiburg 2008 


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