März 7

Unsere Tiefe ist überraschend hell

Unsere Tiefe ist überraschend hell

Wie für alle Menschen waren die letzten beiden Jahre auch für mich ein ganz besondere. Beruflich konnte ich vieles, das ich geplant hatte, nicht umsetzen, persönlich fühlte ich mich aufgrund des Todes vieler nahestehender Menschen oft sehr traurig. Hilflos stand ich den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen gegenüber. Was mir in dieser Zeit Kraft gab, war neben meiner Familie und Freunden, aber auch meine Beschäftigung mit der Psychologie C. G. Jung’s. Mein Zugang zu meinen Träumen und meinen inneren Bildern half mir über eine sehr schwierige Zeit hinweg.

C. G. Jung und die Botschaft der Träume

Der Psychoanalytiker sah Träume als Botschaft der Seele an, weitere Entwicklungsaufgaben anzugehen. Sie zeigen aber nicht nur in verschlüsselter Form auf, welche Lernaufgaben auf uns warten, sondern haben auch eine ausgleichende und stabilisierende Wirkung.

Anfang 2021 verstarb meine 89-jährige Großmutter im Krankenhaus. Aufgrund der Corona Situation konnte ich mich nicht mehr von ihr persönlich verabschieden. Ich hatte eine sehr enge Beziehung zu ihr, da ich in den ersten 3 Lebensjahren mit meinen Eltern in ihrem Haus lebte. 3 Tage vor ihrem Tod, träumte ich von ihr und konnte mich in einem Traum von ihr verabschieden. Ich gab ihr eine Blume, sie lächelte mich sitzend im Rollstuhl an und war wieder geheilt. Dieser Traum gab mir sehr viel Kraft und half mir über den Schmerz hinweg, dass ich nicht mehr ihre Hand halten konnte, ihr nicht mehr als das sagen konnte, was mir noch am Herzen lag. Ich hätte meiner Großmutter so gewünscht im Kreis ihrer Familie zu sterben und sich von allen zu verabschieden und nicht einsam im Krankenhaus.

Mein Unbewusstsein hat mir darüber hinweg geholfen mich mit dem „Sterben in Corona Zeiten“ zu versöhnen. Meine Begegnung im Traum mit meiner Großmutter ist so stark und mächtig, richtig versöhnlich. Ich bin sehr dankbar für diese inneren Bilder und der Erfahrung, dass das Unbewusste eine ausgleichende Wirkung hat, wenn man es zulässt. Mehr zu Träumen und C. G. Jung finden Sie in diesem Beitrag.

Unsere Tiefe ist hell

Die letzten beiden Jahre haben auch mir zugesetzt. Die Unsicherheit, diese diffuse Bedrohung durch das Virus, die tiefe Spaltung der Gesellschaft, der unverschämte Korruptionsfilz in Politik und Wirtschaft (Stichwort „Geld regiert die Welt“) und nun der Krieg in der Ukraine lassen mich oft hilflos, unsicher und traurig zurück.

Die äußeren Gegebenheiten kann ich nicht ändern, aber ich weiss, dass etwas in mir sehr hell, voller Kraft ist und letztendlich die Welt ändern kann. Mit einer Imagination kann ich mich damit verbinden und es nicht nur spüren, sondern auch als inneres Bild sehen. Diese inneren Bilder sind sehr kraftvoll und bewegend. Manches mal hatte ich Angst, dass mein Unbewusstes dunkel, negativ oder bedrohlich sein könnte. Einmal tauchte ich bei einer Imagination in einen See ein und dachte mir, dass der Grund voller Morast, Ästen oder Schlamm sein müsste (zu dieser Zeit ging es mir nicht besonders gut, ich trauerte um mehrere liebe Menschen). Aber der Grund des Sees war überraschend hell und goldig.

Damit bewahrheitet sich eine Aussage C. G. Jungs, dass sich die Psyche immer nur soviel zumutet wie sie selbst verkraften kann (Ausnahme sind natürlich schwerwiegende Krankheiten wie z.B. Psychosen). Diese inneren Bilder, die in jedem Menschen vorhanden sind, haben eine stark ausgleichende, kräftigende und stärkende Wirkung. Man holt sie vom Unbewusstsein in das Bewusstsein und kann so damit arbeiten. Zugang zu diesen inneren Bildern erhält man mit geführten oder freien Imaginationen, Fantasiereisen, Märchenarbeit, Traumarbeit, Malen und Gestalten.

Mehr zu: Wie innere Bilder Entwicklung ermöglichen.

Durch den Zugang zu meinen Träumen und inneren Bildern fühle ich mich ausgesöhnt mit mir selbst und trotz allem zuversichtlich in die Zukunft blickend. Letztendlich müssen wir einen Weg finden, um unser inneres Gleichgewicht unabhängig von äußeren Gegebenheiten zu finden, um nicht an uns selbst und an der Welt zu verzweifeln. Schließen möchte ich meinen Artikel mit Worten des kürzlich verstorbenen Buddhistischen Mönch, Friedensaktivisten und Buchautor Thich Nhat Hanh:

"Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es."
Thich Nhat Hanh


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